04.11.2025
Sozialer Zusammenhalt

Ehrenamt: Starkes Fundament für den Zusammenhalt

Ob in Sport, Kultur oder sozialen Vereinigungen: In kaum einem anderen Land sind so viele Personen ehrenamtlich aktiv wie in Liechtenstein. Nur rund jede Dritte Person war noch nie ehrenamtlich tätig, ein im europäischen Vergleich sehr hoher Wert. Doch wie kann es gelingen, dass dieser hoch bleibt?

Die repräsentative Umfrage «Wie zusammengehörig fühlt sich Liechtenstein?» die von der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein initiiert und vom Liechtenstein Institut durchgeführt wurde zeigt: 36 Prozent der befragten Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner sind derzeit aktiv für einen Verein, eine Organisation oder eine öffentliche Institution ehrenamtlich tätig. Weitere 28 Prozent waren in der Vergangenheit freiwillig engagiert. Damit liegt Liechtenstein auf vergleichbarem Niveau wie die Schweiz (rund 40 Prozent) und Deutschland (40 Prozent) und deutlich über dem gesamteuropäischen Durchschnitt.

Weltspitze bei der Vereinsdichte

Liechtenstein weist mit 15,3 Vereinen pro 1'000 Einwohnerinnen und Einwohner eine der höchsten Vereinsdichten weltweit auf. Zum Vergleich: Österreich zählt 14, die Schweiz 11,5 und Deutschland 7,3 Vereine pro 1'000 Einwohner. Diese «Schulen der Demokratie», wie Vereine oft bezeichnet werden, sind ein zentraler Ausdruck einer aktiven Zivilgesellschaft.

Sport und Kultur dominieren

Die beiden häufigsten Bereiche ehrenamtlicher Tätigkeit sind Sport (35 Prozent) und Kultur/Bildung (34 Prozent). Ein Viertel der ehrenamtlich Tätigen engagiert sich im Bereich sozialer Dienste, 14 Prozent im Umwelt- und Tierschutz. Dabei zeigen sich erwartbare Muster: Ehrenamtliche Sportvereine sind eine Männerdomäne, während Frauen sich stärker in sozialen Vereinen engagieren.

Zeitaufwand und Motivation

Die relative Mehrheit der Freiwilligen wendet monatlich eine bis fünf Stunden für ihr Ehrenamt auf, ein knappes Drittel investiert sechs bis zehn Stunden. Die Beweggründe sind vielfältig: 52 Prozent macht die Tätigkeit Spass, 51 Prozent schätzen das Zusammenkommen mit anderen, 48 Prozent möchten anderen Menschen helfen und ebenso viele wollen gemeinsam etwas bewegen.

Integration durch Ehrenamt

Bemerkenswert ist, dass der Unterschied in der ehrenamtlichen Beteiligung zwischen Personen mit und ohne liechtensteinischer Staatsbürgerschaft relativ gering ausfällt. 40 Prozent der Befragten mit Liechtensteiner Pass sind ehrenamtlich aktiv, bei Ausländerinnen und Ausländern sind es 33 Prozent. Selbst 27 Prozent jener, die erst seit einem Jahr in Liechtenstein wohnen, beteiligen sich aktiv am Vereinsleben. Dies spricht für eine gute Integration durch freiwilliges Engagement – ein Unterschied zur Schweiz, wo die Differenz zwischen Inländern und Ausländern deutlich stärker ausgeprägt ist.

Zukunft des Ehrenamts gesichert

Die Studie gibt auch Aufschluss über die Zukunftsfähigkeit der Freiwilligenarbeit: Mehr als ein Drittel der 16- bis 35-Jährigen leistet bereits freiwillige und unbezahlte Arbeit. Von jenen, die derzeit nicht ehrenamtlich tätig sind, können sich 28 Prozent eine künftige Tätigkeit vorstellen, weitere 40 Prozent schliessen dies nicht aus. Besonders ermutigend: 33 Prozent der 16- bis 25-Jährigen sind bereit, sich dereinst ehrenamtlich zu engagieren.

Wachsender Mangel an Freiwilligen

Trotz dieser positiven Zahlen betonen die Abgeordneten in ihrem Postulat, das im Novemberlandtag auf der Traktandenliste steht, einen wachsenden Mangel an Freiwilligen. Studien zeigen, dass oft wenige Engagierte eine Mehrfachbelastung tragen. Die geforderte nationale Ehrenamtsstrategie soll daher keine finanzielle Entschädigung bringen, sondern bessere Rahmenbedingungen schaffen, bürokratische Hürden abbauen und flexible Arbeitszeitmodelle ermöglichen.

Ehrenamt als gesellschaftlicher Kitt

Ehrenamt und Vereine leisten einen unverzichtbaren Beitrag für den gesellschaftlichen Zusammenhalt: Freiwilliges Engagement macht nicht nur Spass und fördert die persönliche Weiterentwicklung – es ist das Fundament einer funktionierenden Zivilgesellschaft. Die Entwicklung einer nationalen Strategie, wie im Postulat gefordert, ist daher ein wichtiger Schritt, um diese wertvolle Ressource langfristig zu stärken und zu sichern.