Graubünden zeigt Liechtenstein den Weg
Gianluca Giuliani von Flury&Giuliani, Co-Projektleiter des Bündner Klimaprojekts, präsentierte die zentralen Erkenntnisse. Sein Appell: Lösungen jetzt umsetzen, nicht auf die nächste Generation abwälzen. Die Gesamtemissionen der 46 ausgewerteten Pilotbetriebe blieben über die Projektlaufzeit praktisch konstant. Gleichzeitig stieg die Lebensmittelproduktion um vier Prozent, während der Tierbestand um zwei Prozent sank, wodurch die Klimaeffizienz leicht verbessert werden konnte.
Doch Giuliani mahnte zur Vorsicht bei der Interpretation: Punktuelle Messungen zu Beginn und Ende eines Projekts seien problematisch. Anhand von Fallbeispielen zeigte er, wie unterschiedlich die Entwicklung einzelner Betriebe verlief. Ein Hof mit Stallumbau und vervierfachter Ackerfläche senkte seine Emissionen um 65 Prozent. Ein anderer Betrieb verzeichnete höhere Emissionen, schlicht weil gute Futterernten mehr Tiere auf dem Hof ermöglichten. Diese jährlichen Schwankungen verdeutlichen: Eine kontinuierliche Erfassung wäre aussagekräftiger als Momentaufnahmen.
Mit 6.4 Millionen Franken vom Kanton ausgestattet, diente die Pilotphase als «Freiluftlabor». Mit 50 Betrieben waren zunächst nur 2.5 Prozent der Bündner Landwirtschaft beteiligt. Ab 2026 folgt die Expansionsphase: Von 50 auf 500 Betriebe, also ein Viertel aller rund 2’000 Bündner Höfe. Die Teilnahme bleibt freiwillig, der systemische Ansatz mit betriebsspezifischen Massnahmenbündeln wird beibehalten. Statt überregionaler Vorgaben setzen die Projektleiter auf massgeschneiderte Lösungen, denn jeder Betrieb ist individuell zu betrachten.
Für Liechtenstein ist das Bündner Modell wegweisend. Das Projekt «Klimawirksame Landwirtschaft», ebenfalls von Flury&Giuliani begleitet, verfolgt ähnliche Ziele. Im Fokus stehen zwei Massnahmen: die Einführung einer Nachhaltigkeitsbewertung und die Umsetzung von Projekten zur Reduktion von Treibhausgasemissionen. Mit dabei: der Verein Feldfreunde, der von der Stiftung Lebenswertes Liechtenstein unterstützt wird.
Dr. Michael Meirer, Geschäftsführer Stiftung Lebenswertes Liechtenstein